INTERVIEW MIT MARTIN TEWES

Sie haben bei der Papier Union gelernt und sind heute Geschäftsführer. Hätten Sie sich den Verlauf Ihrer Karriere schon damals so vorgestellt?

Eindeutig nein. So etwas lässt sich so nicht planen. Zumal zwischen meiner Zeit als Auszubildender und der Berufung zum Geschäftsführer gute 24 Jahre lagen – eine Zeit, in der mit Abendstudium und über dreijährigem Auslandsaufenthalt auch viel passiert ist.
 

Welche Herausforderungen sehen Sie in den nächsten sechs Monaten auf sich zukommen?

Ich möchte es so formulieren: In unruhiger See eine schlagkräftige Inapa Deutschland zu formieren, in der wir unsere Position als Marktführer festigen! In den kommenden Monaten kommt eine Fülle von Aufgaben auf uns zu. Wir werden mit SAP 4 HANA ein neues ERP-System einführen; hinzukommt für den Vertrieb ein neues CRM-System. Wir müssen Tausende von Zahlungsbedingungen unserer Kunden vereinheitlichen, viele Sortimente umstellen usw. In dieser Phase ist es erfolgsentscheidend, dass wir als geschlossene Einheit mit viel Teamgeist agieren und gleichzeitig den Kundenfokus nicht verlieren!
 

Welche Ideen für Veränderungen und die Gestaltung der gemeinsamen Zukunft haben Sie im Hinblick auf die neue Inapa Deutschland?

Aus Vertriebssicht haben wir fünf strategisch wichtige Säulen für unsere gemeinsame Zukunft (die Reihenfolge ist keine Wertung):

  1. Meiner Überzeugung nach müssen wir unser Geschäftsmodell reformieren! Dass wir noch knapp 30% unserer Aufträge per Fax erhalten, ist zwar im Großhandel nicht ungewöhnlich, aber ganz sicher nicht zukunftsweisend. Insbesondere einfache bzw. standardisierte Kunden- und Lieferantenprozesse müssen wir digitalisieren. Mit unserer Initiative Paper Unicorn arbeiten wir genau an diesem Thema.
  2. Die Stärkung unserer eigenen Logistik ist ein extrem wichtiger Faktor, damit wir wettbewerbsfähig bleiben bzw. uns Vorteile gegenüber Marktbegleitern erarbeiten. Damit meine ich sowohl unsere eigenen logistischen Prozesse als aber auch den Ausbau unserer Umsätze mit logistischen Dienstleistungen.
  3. Derzeit arbeiten wir an einem komplett neuen Dachmarkenkonzept. Hier haben wir die einmalige Chance, mit einem in sich schlüssigen Marken- und Marketingkonzept langfristig das beste Gesamtkonzept zu etablieren.
  4. Wir machen uns in der Geschäftsführung aktuell auch Gedanken dazu, wie sich Arbeit in Zukunft in der Inapa Deutschland verändern muss. Wie können wir unsere Reaktionsgeschwindigkeit auf immer komplexer und volatiler werdende Märkte erhöhen? Dafür müssen wir die sich verändernden Anforderungen unserer Mitarbeiter*innen an ihre Arbeit erkennen und digitale Möglichkeiten sowie eine Kultur schaffen, die es uns ermöglichen, mit den Veränderungen im Markt Schritt zu halten.
  5. Um unsere Abhängigkeit vom Papiergeschäft weiter zu reduzieren, werden wir nachhaltig in die Bereiche HVA und New Business investieren. Langfristig müssen wir uns vertrieblich immer weiter in Richtung margenträchtiger sowie nachhaltig wachsender Produktgruppen ausrichten.
     

Wie beschreiben Sie Ihren Arbeitsstil?
In der Zusammenarbeit in meinen Teams lege ich viel Wert auf Vertrauen und Verbindlichkeit. Dabei sehe ich es als meine Aufgabe an, analytisch und vorausschauend zu agieren, damit in der Summe der vielen täglichen Entscheidungen nicht der Blick auf die Gesamtstrategie verloren geht.

 

Wie gehen Sie mit Kritik um?
Kritik kann ja sowohl positiv als auch „negativ“ sein, und beides nehme ich gern an. Im Allgemeinen bin ich ein großer Freund von Feedback, sofern dieses sachlich vorgetragen und nachvollziehbar begründet ist.
 

Was raten Sie den Arbeitnehmern von morgen, also zum Beispiel uns Auszubildenden, in Bezug auf Bildung und Beruf?
Folgen Sie Ihren persönlichen Interessen und scheuen Sie nicht, sich aktiv mit einzubringen. Die Summe aller Mitarbeiter ergibt ein Unternehmen, und das „voneinander lernen“ wird immer wichtiger.

Da sich sowohl Unternehmen als auch unsere Gesellschaft in einem andauernden Wandel befinden, verändern sich meiner Überzeugung nach auch grundsätzlich die Anforderungen an Bildung und Beruf. Ihnen und allen Arbeitnehmern von morgen empfehle ich: Bleiben sie neugierig und anpassungsfähig, erarbeiten sie sich einen „Willen“ zur permanenten persönlichen Weiterentwicklung sowie die Fähigkeit, sich Neues anzueignen. Wenn Sie das dann noch mit der Bereitschaft zu harter Arbeit kombinieren, sind Sie gut gewappnet J

 

Was ist Ihr Ausgleich zur Arbeit?
Arbeiten macht mir Spaß, daher brauche ich nicht zwingend einen Ausgleich davon. Aber ich spiele gern Golf und versuche dann auch, mein Smartphone im Auto lassen – manchmal gelingt es sogar!

 

Darüber hinaus bewege ich mich leidenschaftlich gern auf zwei Rädern, sofern sich irgendwo unter dem Sattel ein Motor befindet. Wenn dann noch Zeit bleibt, schraube ich auch gern selbst etwas an Motorrädern.

 

Haben Sie ein Motto, das Sie Ihr Leben lang begleitet?
Wer glaubt etwas zu sein, hat aufgehört etwas zu werden!

 

Welches ist Ihr Lieblingspapier?
Ich mag Papiere wie Fly und Munken, die sich natürlich anfühlen und ein hohes Volumen haben.

 

Die Fragen an Martin Tewes kommen diesmal von Julia Fehrmann, Auszubildende (derzeit im Marketing). Vielen Dank für die Mitarbeit!